Taskforce

18.04.2019

Schon wieder beschleicht mich das Gefühl, die Luft entweicht ungehindert aus meinem Hinterreifen. Die Sicherheitskräfte sind überfordert. Heute bereits das zweite Mal. Seit fünf Tagen das gleiche Szenario. Die Unruhen ebnen nicht ab. Als Komplizen agieren meistens kleine Metalldorne, aber auch andere militante Gruppierungen wie Glassplitter oder Dorne von Pflanzen, die den Stacheldraht mit dem Mauerring des Reifens mittlerweile routiniert durchdringen. Der Urheber des neusten Befreiungsschlags ist bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Dass ich ein Sicherheitsproblem habe, kann ich nicht mehr schön reden. Deshalb habe ich eine Taskforce auf die Beine gestellt. Als Sofortmassnahme war die Aufstockung des Budgets beschlossen worden, mit der Material erneuert werden soll. Am Abend folgte der Ausruf des Notstandes. In einer Pressekonferenz am Nachmittag habe ich das Problem erläutert, das Medieninteresse ist jedoch als Bescheiden zu bezeichnen.

Die Bundesrepublik Deutschland reagierte prompt und liess den bayrischen Sondergesandten Thomas, Experte für Nahostfragen, Hilfe leisten. Die lokale Bevölkerung transportierte das Problemobjekt zur Unterkunft. Die Hilfeleistung wurde erst durch das Versprechen einer anschliessenden Transaktion geleistet, wobei Gelder in dunkle Kanäle abflossen. Beim Beschaffen hochwertiger Materialien mussten zunächst die paschtunisch geprägten Südbezirke, der unübersichtlichen Kapitale, passiert werden, was ausser neugierigen Blicken verschiedener Stammesgruppen ohne Zwischenfälle blieb.

Hilfsgüter wurden von China zur Verfügung gestellt, die sich allerdings als qualitativ mangelhaft herausstellten und abgewiesen werden mussten. Erst die Lieferung aus Taiwan brachte etwas Entspannung in die Lage. Aus der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten erfolgten keine Hilfeleistungen, eine Stellungnahme blieb bis zum Abend aus. Ebenso stumm blieb Jens Stoltenberg.

Die Arbeiten, die unter Hochdruck erfolgten, sind mittlerweile abgeschlossen. Ob die Gefahr gebannt ist, wird sich in den nächsten Tagen weisen. Der Notstand läuft noch bis zum Freitag, 26. April.

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