Die Autofahrenden

Das Allgäu und Oberbayern sind sehr angenehm zum Velofahren. Vielfach finden sich Velowege vor, die von der Strasse getrennt liegen. Häufig hat die Schneeräumung diese Streifen in deutscher Gründlichkeit frei gefegt. Ist das nicht der Fall, ist ein Fahren auf der Strasse unausweichlich. Die rücksichtsvollen Autofahrenden fahren und überholen mit grösster Vor- und Weitsicht, egal ob das Fahrzeug in Cloppenburg, Hamm/Westfalen oder Reutlingen gemeldet ist (ostdeutsche Kennzeichen sah ich keine, mit Ausnahme eines Kurierdienstes aus Brandenburg). Der seitliche Abstand vom überholenden Auto ist teilweise grösser als zum vorderen Fahrzeug. Kein genervtes Gehupe erwidern die Autos, welche durch das vorfahrende Auto ausgebremst werden, die sich das Velo teilweise bis zu einer Minute nicht zu überholen trauen. Das ist durchaus überraschend, wenngleich ich im Vorfeld nicht explizit darüber nachgedacht habe. Deutschland war für mich stets ein Autoland, wo der Reichtum in Pferdestärken ausgedrückt wird, wo täglich ein erbitterter Kleinkrieg auf den Autobahnen stattfindet mit grenzenlosen Tempi, Lichthupe und schlimmen Unfällen. In einem Land in dem eine Wer-wird-Millionär-Teilnehmerin auf die Frage, was sie mit dem Geld kaufen wolle, ein neues Auto, sie fahre jetzt ein Kia, antwortete, vom Publikum breites Gelächter erntete. Das erste Klischee scheint deutlich widerlegt - gut so.